24. Februar 2012

„Er erinnert mich stark an Haye...“


Am Samstag um 22:15 (live in der ARD) muss er sich beweisen. Marco Huck will den WBA-Weltmeistergürtel im Schwergewicht erboxen. In der Porsche-Arena Stuttgart muss sich der gebürtige Serbe in seiner neuen Gewichtsklasse dem Titelträger Alexander Powetkin stellen. Jetzt muss „Käpt`n Huck“ auf seine großen Worte Taten folgen lassen.

Ein neuer Herausforderer

Ein Leisesprecher wird Huck wahrscheinlich in seiner Profi-Karriere nicht mehr. Gewohnt großspurig tönt er auch vor dem Duell am Samstag: „Powetkin hat vor Klitschko gekniffen. Das hätte ich nicht getan. Ich glaube, es gibt Samstag ein vorzeitiges Ende. Es wird knallen.“ Und er hält meistens, was er verspricht. In 25 seiner 35 Siegen im Cruisergewicht schickte der Linksausleger seinen Gegner vorzeitig auf die Bretter.  Die Boxer im Cruisergewicht reichten dem 27-Jährigen aus Sjenica nicht mehr aus: „Ich bin ein Champion. Ich habe meinen Weltmeistertitel im Cruisergewicht achtmal erfolgreich verteidigt. Nun möchte ich aber eine neue Herausforderung annehmen. Ich bin wie ein hungriger Löwe.“

Hungriger Löwe oder zahmes Kätzchen?

Fakt ist: Ein gesundes Selbstbewusstsein gehört für einen Boxer zum Geschäft. Und daran mangelt es Huck, der eigentlich mit bürgerlichem Namen Muamer Hukic heißt, wahrlich nicht. Es bleibt abzuwarten, wie ihm der Aufstieg in das Schwergewicht bekommt. Statt maximal 90 Kilogramm hat sich der 1,87 Meter große Huck nun auf fast 100 Kilo gesteigert. Nun soll sein erster Kampf in der ungewohnten Gewichtsklasse sein größter Erfolg werden. Für ihn ist das keine große Umstellung: „ Ich muss mit Kopf und eiskalter Brutalität boxen. Boxen wohlgemerkt! Aber in dem Moment, in dem sich die Chance bietet, muss ich pfeffern wie ein Kesselflicker. Powetkin wird mein Meisterstück.“ Doch auch sein Gegner lässt sich nicht einschüchtern. Warum auch?  Der Russe ist amtierender WBA-Weltmeister , war Olympia-Sieger 2004 in Athen und gewann alle seine 23 Profikämpfe. Dementsprechend siegessicher gibt er sich vor dem Duell mit Huck: „ Anfangs war ich überrascht, von Huck herausgefordert zu werden, da er vorher noch nie in Schwergewicht geboxt hat. Ich schrecke aber vor keiner Herausforderung zurück und verteidige meinen Titel sehr gerne gegen ihn. Ich bin in sehr guter Verfassung. Ich werde gutes und effektives Boxen zeigen. Angst habe ich vor nichts und niemanden.“

Prominenter Vorgänger

Marco Huck wandelt dabei auf den Spuren des Briten David Haye. Beide boxen ähnlich - explosiv, schnell, aggressiv – auch vom Auftreten her spielen die beiden Provokateure in einer Liga. Auch Haye nahm den Weg vom Cruiser- ins Schwergewicht. Doch während Haye zunächst einen Aufbaukampf gegen Monte Barrett (5. Runde, technisches K.O.) bestritt und danach erst den WBA-Weltmeistertitel von Nikolai Walujew erkämpfte, will Huck direkt den Titelkampf. Das Fernziel ist bei den Beiden ein Kampf gegen die Klitschkos. Haye musste vor den boxerischen Fähigkeiten der Brüder bereits den Hut ziehen, „Käpt`n Huck“ wartet auf seine Chance: „Ich will Powetkin schlagen, um dann gegen die Brüder zu kämpfen.“ Übrigens steht David Haye am Samstag auf der Gästeliste des Kampfes, doch die Chancen seines Erscheinens sind nach der Keilerei zwischen ihm und Derek Chisora eher gering.

 
Titel ohne Wert?
Auf so einen Skandal, wie am vergangen Wochenende, möchte Huck am liebsten verzichten und distanziert sich vom Skandalauftritt des simbabwisch-biritischen Boxers: „Powetkin und ich – wir sind Boxer, Sportler. Keine Loser wie dieser Chisora. 100.000 Dollar Geldstrafe, die Ohrfeige gegen Vitali Klitschko, Kampf verloren, verprügelt von Haye, jetzt gesperrt. Clever schaut anders aus. Dazu noch das widerliche Anrotzen von Wladimir. Das ist einfach unfassbar.“ Der Kampf hat jedoch einen faden Beigeschmack. Ein echter Weltmeister ist Powetkin nicht. Irgendwie schon, aber nach dem Aufstieg von Vitali Klitschko zum „Superchampion“  wurde der Russe zum WBA-Champion ausgerufen. Also ein Kampf um einen Titel, der eigentlich keiner ist.

Blick auf das Fernziel Klitschko
Huck, der seit 2009 deutscher Staatsbürger ist, ist dieser Umstand egal und erinnert sich an einen alten Traum: „Ich wollte schon immer Schwergewichts-Weltmeister werden. Jetzt stehe ich kurz davor.“ Dafür hat er sich mit seinem Trainer Ulli Wegner intensiv vorbereitet. Immer wieder sprechen die beiden von  Powetkin als „Durchgangsstation“ zu den Klitschkos. Nun soll Huck der erste richtige Gegner der Klitschkos werden. Wegner sieht die beiden Ukrainer nicht als unangreifbar: „Die Klitschkos haben so gute Bauchmuskeln, weil sie sich nachts über ihre Gegner kaputtlachen.“ Respekt sieht anders aus. Auch Powetkin bekommt sein Fett weg: „Er hat bis jetzt alte und dicke Gegner geschlagen. Jetzt komme ich. Da muss er sich mal beweisen. “

Probleme ausserhalb des Rings
Unter der Woche waren jedoch ungewohnt leise und ernste Töne von „Käpt`n Huck“ zu hören. Grund dafür war ein Morddrohung an den Weltmeister im Cruisergewicht, die in seiner Fanpost gefunden wurde. Ein Unbekannter bedroht ihn, seine Familie und sogar seinen Trainer Ulli Wegner. Huck hat eine Anzeige erstattet. „Ich war natürlich nicht erfreut darüber. Das ist eine böse Sache. Ich mache mir keine Sorge wegen mir, aber natürlich wegen meiner Familie“, so Huck. Zum offiziellen Wiegen kam der 27-Jährige dementsprechend mit einem großen Aufgebot von Sicherheitskräften.

Idol Schmeling
Eine besondere Motivation soll den „Käpt`n“ zu Höchstleistungen antreiben. Seit 1930 ist es keinem deutschen Schwergewichtsboxer mehr gelungen den Weltmeistertitel in dieser Gewichtsklasse zu erringen.  Damals besiegte Max Schmeling Jack Sharkey und durfte den Gürtel in die Luft stemmen. Zwei Jahre später verlor der Deutsche den Titel nach umstrittenen Urteil nach Punkten erneut an Sharkey. Nun kann also Huck, knapp 80 Jahre später, den Triumph wiederholen. Powetkins Manager, Vlad Hrunov, sieht den Deutschen mit serbischen Wurzeln nicht als geeigneten Nachfolger für Schmeling: „ Max Schmeling war ein großer, ehrenhafter Mann, immer respektvoll seinen Gegnern gegenüber. Wer ihm folgen will, sollte sich auch so benehmen und ein Vorbild sein.“ Huck kontert eiskalt: „ Nach dem Sieg kaufe ich dem Russen einen Lada. Ein besseres Vorbild als mich kann es gar nicht geben.“ Eindeutig nicht die Antwort eines Vorbilds. Auch sein Trainer Wegner sieht das ähnlich:  „Ihn mit Max Schmeling zu vergleich, sollte man im Moment lieber lassen. Es gibt noch ein paar Sachen, an denen man arbeiten muss.“

Samstag Showtime
Am Samstag muss Huck den Worten Taten folgen lassen. Veranstalter Kalle Sauerland verspricht ein wahres Box-Feuerwerk: „ Es ist eine schwierige Situation. Zwei unserer Leute boxen gegeneinander. Aber es wird richtig knallen.“ Die Zahl der Huck-Zweifler ist groß. Dazu gehört auch die WBO. Innerhalb von 10 Tagen muss sich Huck entscheiden, ob er in das Cruisergewicht zurückkehrt. Dort wartet Ola Afolabi aus Groß-Britannien auf eine gescheiterten Huck, der seinen Titel im Cruisergewicht verteidigen soll. Das Schlusswort lasse ich Vitali Klitschko, der wahrscheinlich kein Huck-Fan mehr wird: „ Ich glaube nicht, dass er gegen Powetkin gewinnt, Er erinnert mich sehr stark an David Haye – große Klappe und nichts dahinter.“

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