22. Februar 2012

Wiedersehen macht Freude


Der Serbe Svetislav Pesic wird neuer Trainer der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. Der Basketball-Bund soll sich mit dem 62-Jährigen auf einen Vertrag bis 2016 geeinigt haben. DBB-Präsident Ingo Weiss hat seinen neuen Hoffnungsträger für den deutschen Basketball gefunden: „Ich bin sehr froh, dass wir mit einem so erfolgreichen und renommierten Coach wie Pesic zusammenarbeiten können. Er hat eine riesengroße Erfahrung und ist genau der Trainer, den wir uns vorgestellt haben.“

Schon als Spieler erfolgreich

Weiss hat Recht: Pesic ist sowohl in Deutschland, als auch im Ausland kein Unbekannter. Viel mehr ist er ein geschätzter Trainer, der jeglichen Titel in seiner langjährigen Trainerkarriere gewinnen konnte. Auch als Spieler war der Mann aus Südostserbien kein unbeschriebenes Blatt. 1978 sicherte sich Pesic mit  KK Bosna Sarajevo die Meisterschaft und den jugoslawischen Pokal. Ein Jahr später hielten die Serben den Europapokal der Landesmeister in Händen. Im Endspiel wurde in Grenoble der italienische Vertreter Emerson Varese mit 96:93 geschlagen. In der 1981/1982 Saison wechselte Pesic vom Parkett auf die Trainerbank bei Bosna. Und die wundersame Geschichte nahm ihren Lauf.

Da war doch was?

1987 wechselte der gebürtige Piroter zum ersten Mal zur deutschen Basketball-Nationalmannschaft. Basketball war in Deutschland bisher eine Randerscheinung. Für die Europameisterschaftsendrunden in Zagreb (1989) und Rom (1991) schaffte das Herrenteam nicht einmal die Qualifikation. Doch das alles sollte sich bei der Heim-EM in Karlsruhe, Berlin und München 1993 ändern. Gleich im Auftaktspiel gab es gegen Estland die erste Niederlage, doch die deutsche Mannschaft kam mehr schlecht als Recht durch die Vor- und Zwischenrunde. In der K.o. Runde ging ein Ruck durch das Team. Die Favoriten Spanien (79:77 n.V.) und Griechenland (76:73) mussten gegen den Underdog die Segel streichen.
Im Endspiel gelang den Deutschen das Unmögliche. Titelverteidiger Russland lag mit 68:70 vorne, knapp sieben Sekunden noch zu spielen. NBA-Center Christian Welp fasste sich ein Herz und zog zum Korb und stopfte den Ball per Dunking ins Netz – Ausgleich: 70:70. Zusätzlich bekam der Spieler, der unter anderem bei den Philadelphia 76ers und den San Antonio Spurs spielte, einen Freiwurf zugesprochen. Russlands Trainer nahm eine Auszeit, der Druck auf  Welp stieg weiter an.  Doch Welp behielt die Nerven, traf zum 71:70 Endstand und wurde mit dem Titel des MVP belohnt. Im Hintergrund hatte Svetislav Pesic die deutsche Auswahl zum ersten und bisher einzigen Titel geführt.

Die Titeljagd beginnt

Nach seinem Erfolg wechselte der serbische Trainer zu ALBA Berlin und brachte das Team aus der Hauptstadt den Status „Top-Team“ ein.  1995 wird Pesic mit ALBA Sieger des Korac Cups ( so hieß der Europapokal von 1972-2002) und geht als erster und bisher einziger deutscher Sieger des Pokalwettbewerbs in die Geschichtsbücher ein. In den Folgejahren war ALBA in Deutschland die treibende Kraft. 1997, 98, 99 und 2000 wurden die Berliner Deutscher Meister, 97 und 99 ging zusätzlich der Deutsche Pokal an die Albatrosse. ALBA-Geschäftsführer Marco Baldi erinnert sich gerne an die Zeit mit Pesic zurück: „ Sveti hat einen gigantischen Erfahrungsschatz und ist sehr ambitioniert. Ich kann dem DBB nur gratulieren.“
Der Name Pesic erlangte in Europa Bekanntheit. Der gebürtige Serbe nutzt den Aufwind und übernimmt  die Nationalmannschaft Jugoslawiens. Ohne Anlaufzeit sicherten sich die Jugoslawen unter Pesics Führung die Europameisterschaft 2001 und nur ein Jahr später waren die Jugoslawen Weltmeister. 2003 ist für Pesic bisher das erfolgreichste Jahr. Mit dem FC Barcelona gelingt ihm das Triple. Neben der nationalen Meisterschaft und dem Pokal thronten die Katalanen auch in der Euroleague auf Platz eins.


Comeback

Nun ist Pesic zurück und erneut soll er die Geschicke der deutschen Nationalmannschaft leiten. Dabei greift er auf gute Informationen zurück, wie sein Sohn Marko, ehemaliger Nationalspieler und mittlerweile Manager bei Bundesligist Bayern München weiß: „ Mein Vater wird sich das ganz genau überlegt haben. Er sieht gute Perspektive und Potenzial in den Spielern. Er kennt die Spieler gut, er war bei jeder EM und WM der letzten Jahre. In seiner Funktion bei der FIBA hat er auch die U-Europameisterschaften der letzten vier Jahre verfolgt.“ Auch sein Vorgänger, Dirk Bauermann, der die Nationalmannschaft zuletzt bei der EM 2011 in Litauen in die Zwischenrunde führte, glaubt an den Serben: „ Das ist eine tolle Sache für den deutschen Basketball, wenn so ein erfahrener Mann zur Verfügung steht. Der gesamte deutsche Basketball wird von Pesic profitieren.“

Doppelter Coach

Ähnlich wie die Lösung mit Dirk Bauermann, der den Bundesligisten Bayern und die Nationalmannschaft in Doppelfunktion betreuen sollte, aber an den DFL-Statuten scheiterte, bleibt der 62-Jährige zunächst Trainer/Sportdirektor beim serbischen Erstligisten Roter Stern Belgrad. Erst im Spätsommer wird der erfahrene Coach direkt in das Spielgeschehen eingreifen und sowohl die Nationalmannschaft und Roter Stern coachen. Dann beginnt für die Deutschen die Qualifikation für die Europameisterschaft 2013 in Slowenien mit der Partie gegen Luxemburg (18. August).
Der Trainerfuchs hat Großes vor: „Ich glaube, dass mit der deutschen Nationalmannschaft noch so Einiges zu erreichen ist.“ Neben der EM sind natürlich die Olympischen Spiele 2016 in Rio den Janeiro das erklärte Fernziel. Am 6. März wird der 62-Jährige Trainer in Berlin auf der offiziellen Pressekonferenz vorgestellt. Und sein Ziel sollte klar sein: Immer mehr Titel!

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