27. Februar 2012

„Gold-Lena“ will sechs Titel

Ab Donnerstag richten Wintersport-Freunde ihre Augen für zwei Wochen auf die Gemeinde Ruhpolding  in Oberbayern. Am Rand der Chiemgauer Alpen findet die 45. Biathlon Weltmeisterschaft statt. Vom 29. Februar bis zum 11. März jagen die besten Athleten der Welt die begehrten Edelmetalle und Podiumsplätze.
Den Startschuss bildet am Mittwoch die Eröffnungsfeier im Championspark im Zentrum von Ruhpolding. In insgesamt 12 Wettbewerben stehen vor allem die deutschen Wintersportler bei der Heim-WM im Mittelpunkt.

Wintermärchen
Das Stichwort Heim-WM weckt neben einem besonderen Ansporn auch schöne Erinnerungen im deutschen Team. Bei der letzten WM auf deutschen Boden im Jahr 2004 in Oberhof (Thüringen) errangen Team Deutschland in 10 Wettbewerben 7 Medaillen. Darunter die Siege von Ricco Groß in der Verfolgung und mit der Herren Staffel. Groß ist heute der Disziplin-Trainer des Damenkaders und kann das Gefühl einer Heim-WM an seine Schützlinge weitergeben: „ Jeder freut sich drauf, das Event in Deutschland, in Ruhpolding zu haben. Es wird sicherlich eine ganz tolle Veranstaltung. Wir versuchen im sportlichen Teil dafür zu sorgen, dass die Fans auch zu Recht die Fahnen schwenken können.“

Hohe Erwartungen
Genau darauf hoffen die deutschen Fans. Das Marktforschungsinstitut YouGov erhielt bei einer Umfrage ein eindeutiges Stimmungsbild: 35 Prozent der Befragten erwarten von der deutschen Mannschaft 4 bis 6 Medaillen, 10 Prozent gehen sogar von 8 bis 10 Edelmetallen aus. Das sieht auch Bundestrainer der Männer, Fritz Fischer, so: „ Für die Öffentlichkeit zählen eben nur Medaillen.“

Topfavoritin Neuner
Die Hoffnungen ruhen dabei auf Magdalena Neuner. Die 25-Jährige ist die erfolgreichste WM-Biathletin aller Zeiten. Die Ergebnisse ihrer Erfolgsgeschichte: 10x Gold, 3x Silber, dazu 2x Olympiasiegerin und momentan Führende im Weltcup. Bei der Weltmeisterschaft 2011 im sibirischen Chanty-Mansijsk gelangen ihr 3 Goldmedaillen und 2 zweite Plätze.
Statt Druck empfindet die Biathletin aus Garmisch-Partenkirchen Vorfreude: „Viele sehen es als Vorteil, viele als Nachteil. Ich habe überhaupt keine Angst, nur Freude. Die Vorbereitung auf die Heim-WM ist doch noch einmal etwas anderes. Mir ist bewusst, was auf mich zukommt.“
Bei ihrer letzten Weltmeisterschaft will Neuner noch einmal Vollgas geben. Solange ihre Gesundheit es mitmacht, will „Gold-Lena“ an allen Wettbewerben teilnehmen. Ihr Ziel – 6 Goldmedaillen zum Abschied.

Wer kann Neuner schlagen?
Die härtesten Konkurrentinnen von Neuner kommen aus Weißrussland und Finnland. Darya Domratschewa hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Vor allem in den laufintensiven Wettbewerben kann die Weißrussin auftrumpfen, lediglich am Schiessstand leistet sich die zweitplatzierte im Weltcup zu oft Fehler. Die dritte im Bunde ist die Finnin Kaisa Mäkäräinen. Bei der letzten WM in Russland bot sich die 29-Jährige einen erbitterten Zweikampf mit Neuner. Zwar musste sie sich im Sprint der Deutschen geschlagen geben, in der Verfolgungs-Disziplin war ihr jedoch keiner gewachsen. Ihre Schwäche ist die fehlende Konstanz. Zu schwankend sind ihre Leistungen auch in den diesjährigen Weltcup-Rennen.
Zum erweiterten Kandidatenkreis auf einen Podiumsplatz zählen zudem die routinierte Andrea Henkel, sowie die Russin Olga Saizewa und die Norwegerin Tora Berger, die vor allem zu Beginn der Weltcup-Saison zu überzeugen wusste.
 
Von der Couch auf die Ski
Bei den Männern ist die Reihe der Anwärter auf die vorderen Plätze breiter gestreut. Ein Geheimtipp sprang erst in letzter Sekunde auf den WM-Zug auf.  Trotz nicht erreichter Normen für die Weltmeisterschaft wurde der 35-jährige Routinier Michael Greis in den Kader der deutschen Mannschaft berufen. Er selbst hatte zunächst wenig Hoffnungen auf seinen Start: „Die Heim-WM war in den letzten Wochen so weit weg. Sie war mir fast egal. Die Teilnahme bei der WM war mehr eine Hoffnung als ein richtiger Glaube.“ Greis hat nun eine halbe Woche Zeit, um zu seiner alten Form zu finden, mit der er bei den Olympischen Spielen in Turin vor sechs Jahren 3 Goldmedaillen mit nach Hause nahm. „Michi würde nicht mit zur WM fahren, wenn er sich  nicht in der Lage fühlen würde, gute Leistungen zu zeigen“, so Bundestrainer Fritz Fischer. Ein anderer alter Bekannter muss leider zuhause bleiben. Ein verschleppter Infekt hindert Michael Rösch an dem Start bei der Heim-WM. Nichtsdestotrotz wird Rösch mit seinen Teamkameraden am TV mitfiebern: „ Natürlich drücke ich den Jungs die Daumen, dass es für sie eine erfolgreiche und unvergessliche Heim-WM wird.“

Ein alter Bekannter der Superlative
Auch dieser Mann schien lange Zeit nichts mit dem Ausgang dieser Weltmeisterschaft zu tun haben. Doch rechtzeitig hat der erfolgreichste WM-Biathlet, Ole Einar Björndalen, seine Form wiedergefunden. Im letzten Weltcup-Rennen in Kontiolahti zündete der Norweger wieder einmal seinen Turbo und fuhr den ersten Weltcup-Sieg seit Ende 2010 ein. Insgesamt konnte Björndalen in seiner Laufbahn 36 Medaillen bei Weltmeisterschaften gewinnen. Auf dem Zettel haben sollte man durchaus auch den momentan Weltcupführenden Martin Fourcade und den Norweger Emil Hegle Svendsen. Vom Effekt der heimischen Zuschauer könnten Lokalmatador Andreas Birnbacher und sein deutscher Kollege Arnd Peiffer, Sprintweltmeister von 2011, profitieren und die Spitzengruppe überflügeln.

Auf Wiedersehen, Lena!
Am Donnerstag wird der erste der 12 Wettbewerbe ausgetragen. In der Mixed Staffel (2x6km/2x7,5km) werden Arnd Peiffer, Andreas Birnbacher, Magdalena Neuner und Andrea Henkel für die Deutsche Mannschaft an den Start gehen, für Michael Greis kommt ein Einsatz wahrscheinlich zu früh. Mit einem Sieg soll in Ruhpolding der Start zu einer erfolgreichen Weltmeisterschaft gelegt werden. Allen voran geht Topfavoritin Neuner: „ Wenn ich einen Wunsch freihätte, dann sechs Medaillen. Es soll einfach eine Kombi aus Erfolg und Spaß werden. Irgendwie ein schöner Abschied von der Biathlon-Welt, von Ruhpolding und von meinen Fans. Schöner ist das Ganze, wenn es erfolgreich ist.“

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