Ab Donnerstag richten Wintersport-Freunde ihre
Augen für zwei Wochen auf die Gemeinde Ruhpolding in Oberbayern. Am Rand der Chiemgauer Alpen findet die 45.
Biathlon Weltmeisterschaft statt. Vom 29. Februar bis zum 11. März jagen die
besten Athleten der Welt die begehrten Edelmetalle und Podiumsplätze.
Den Startschuss bildet am Mittwoch die Eröffnungsfeier im Championspark im
Zentrum von Ruhpolding. In insgesamt 12 Wettbewerben stehen vor allem die
deutschen Wintersportler bei der Heim-WM im Mittelpunkt.
Wintermärchen
Das Stichwort Heim-WM weckt neben einem besonderen Ansporn auch schöne
Erinnerungen im deutschen Team. Bei der letzten WM auf deutschen Boden im Jahr
2004 in Oberhof (Thüringen) errangen Team Deutschland in 10 Wettbewerben 7
Medaillen. Darunter die Siege von Ricco Groß in der Verfolgung und mit der
Herren Staffel. Groß ist heute der Disziplin-Trainer des Damenkaders und kann
das Gefühl einer Heim-WM an seine Schützlinge weitergeben: „ Jeder freut sich
drauf, das Event in Deutschland, in Ruhpolding zu haben. Es wird sicherlich
eine ganz tolle Veranstaltung. Wir versuchen im sportlichen Teil dafür zu
sorgen, dass die Fans auch zu Recht die Fahnen schwenken können.“
Hohe Erwartungen
Genau darauf hoffen die deutschen Fans. Das Marktforschungsinstitut YouGov
erhielt bei einer Umfrage ein eindeutiges Stimmungsbild: 35 Prozent der
Befragten erwarten von der deutschen Mannschaft 4 bis 6 Medaillen, 10 Prozent
gehen sogar von 8 bis 10 Edelmetallen aus. Das sieht auch Bundestrainer der
Männer, Fritz Fischer, so: „ Für die Öffentlichkeit zählen eben nur Medaillen.“
Topfavoritin Neuner
Die Hoffnungen ruhen dabei auf Magdalena Neuner. Die 25-Jährige ist die
erfolgreichste WM-Biathletin aller Zeiten. Die Ergebnisse ihrer
Erfolgsgeschichte: 10x Gold, 3x Silber, dazu 2x Olympiasiegerin und momentan
Führende im Weltcup. Bei der Weltmeisterschaft 2011 im sibirischen
Chanty-Mansijsk gelangen ihr 3 Goldmedaillen und 2 zweite Plätze.
Statt Druck empfindet die Biathletin aus Garmisch-Partenkirchen Vorfreude:
„Viele sehen es als Vorteil, viele als Nachteil. Ich habe überhaupt keine
Angst, nur Freude. Die Vorbereitung auf die Heim-WM ist doch noch einmal etwas
anderes. Mir ist bewusst, was auf mich zukommt.“
Bei ihrer letzten Weltmeisterschaft will Neuner noch einmal Vollgas geben.
Solange ihre Gesundheit es mitmacht, will „Gold-Lena“ an allen Wettbewerben
teilnehmen. Ihr Ziel – 6 Goldmedaillen zum Abschied.
Wer kann Neuner schlagen?
Die härtesten Konkurrentinnen von Neuner kommen aus Weißrussland und Finnland.
Darya Domratschewa hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Vor allem in
den laufintensiven Wettbewerben kann die Weißrussin auftrumpfen, lediglich am
Schiessstand leistet sich die zweitplatzierte im Weltcup zu oft Fehler. Die
dritte im Bunde ist die Finnin Kaisa Mäkäräinen. Bei der letzten WM in Russland
bot sich die 29-Jährige einen erbitterten Zweikampf mit Neuner. Zwar musste sie
sich im Sprint der Deutschen geschlagen geben, in der Verfolgungs-Disziplin war
ihr jedoch keiner gewachsen. Ihre Schwäche ist die fehlende Konstanz. Zu
schwankend sind ihre Leistungen auch in den diesjährigen Weltcup-Rennen.
Zum erweiterten Kandidatenkreis auf einen Podiumsplatz zählen zudem die
routinierte Andrea Henkel, sowie die Russin Olga Saizewa und die Norwegerin
Tora Berger, die vor allem zu Beginn der Weltcup-Saison zu überzeugen wusste.
Von der Couch auf die Ski
Bei den Männern ist die Reihe der Anwärter auf die vorderen Plätze breiter
gestreut. Ein Geheimtipp sprang erst in letzter Sekunde auf den WM-Zug
auf. Trotz nicht erreichter Normen für
die Weltmeisterschaft wurde der 35-jährige Routinier Michael Greis in den Kader
der deutschen Mannschaft berufen. Er selbst hatte zunächst wenig Hoffnungen auf
seinen Start: „Die Heim-WM war in den letzten Wochen so weit weg. Sie war mir
fast egal. Die Teilnahme bei der WM war mehr eine Hoffnung als ein richtiger
Glaube.“ Greis hat nun eine halbe Woche Zeit, um zu seiner alten Form zu
finden, mit der er bei den Olympischen Spielen in Turin vor sechs Jahren 3
Goldmedaillen mit nach Hause nahm. „Michi würde nicht mit zur WM fahren, wenn
er sich nicht in der Lage fühlen würde,
gute Leistungen zu zeigen“, so Bundestrainer Fritz Fischer. Ein anderer alter
Bekannter muss leider zuhause bleiben. Ein verschleppter Infekt hindert Michael
Rösch an dem Start bei der Heim-WM. Nichtsdestotrotz wird Rösch mit seinen
Teamkameraden am TV mitfiebern: „ Natürlich drücke ich den Jungs die Daumen,
dass es für sie eine erfolgreiche und unvergessliche Heim-WM wird.“
Ein alter Bekannter der Superlative
Auch dieser Mann schien lange Zeit nichts mit dem Ausgang dieser
Weltmeisterschaft zu tun haben. Doch rechtzeitig hat der erfolgreichste
WM-Biathlet, Ole Einar Björndalen, seine Form wiedergefunden. Im letzten
Weltcup-Rennen in Kontiolahti zündete der Norweger wieder einmal seinen Turbo
und fuhr den ersten Weltcup-Sieg seit Ende 2010 ein. Insgesamt konnte
Björndalen in seiner Laufbahn 36 Medaillen bei Weltmeisterschaften gewinnen.
Auf dem Zettel haben sollte man durchaus auch den momentan Weltcupführenden Martin
Fourcade und den Norweger Emil Hegle Svendsen. Vom Effekt der heimischen
Zuschauer könnten Lokalmatador Andreas Birnbacher und sein deutscher Kollege
Arnd Peiffer, Sprintweltmeister von 2011, profitieren und die Spitzengruppe
überflügeln.
Auf Wiedersehen, Lena!
Am Donnerstag wird der erste der 12 Wettbewerbe ausgetragen. In der Mixed
Staffel (2x6km/2x7,5km) werden Arnd Peiffer, Andreas Birnbacher, Magdalena
Neuner und Andrea Henkel für die Deutsche Mannschaft an den Start gehen, für
Michael Greis kommt ein Einsatz wahrscheinlich zu früh. Mit einem Sieg soll in
Ruhpolding der Start zu einer erfolgreichen Weltmeisterschaft gelegt werden.
Allen voran geht Topfavoritin Neuner: „ Wenn ich einen Wunsch freihätte, dann
sechs Medaillen. Es soll einfach eine Kombi aus Erfolg und Spaß werden.
Irgendwie ein schöner Abschied von der Biathlon-Welt, von Ruhpolding und von
meinen Fans. Schöner ist das Ganze, wenn es erfolgreich ist.“
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