2012 soll DAS Jahr für die DFB-Auswahl werden. Ohne Punktverlust ist die deutsche Mannschaft durch die Qualifikationsrunde für die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine marschiert. Die beeindruckende Bilanz: 10 Spiele – 10 Siege – 34:7 Tore. Die FIFA belohnt die deutsche Mannschaft mit dem Sprung auf Platz zwei in der Weltrangliste. Und plötzlich ist Deutschland der große Favorit für den Titel.
An den Herausforderungen gewachsen
Die Generation um Mario Gomez, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger hat die letzten großen Turniere genutzt und sich stetig weiter entwickelt. Großen Anteil hat dabei meiner Meinung nach Joachim Löw. Nach der großartigen Weltmeisterschaft im eigenen Land übernahm der Schwabe die Nationalmannschaft von Jürgen Klinsmann. Seine Stärken: Der Drang nach einem offensiven Spielsystem gepaart mit einem ersichtlichen Konzepten auf eine Mischung aus jungen und renommierten Spielern zu setzen. Er hat den perfekten Umbruch geschaffen und deswegen sprechen die anderen Fußballnationen ehrfürchtig von den Deutschen.
Favoritenstatus
“Die stärkste Nationalmannschaft? Deutschland, das sehr stark spielt. Die Deutschen bilden mit Spanien und den Niederlanden das beste europäische Trio“, so Marcello Lippi, der mit Italien 2006 in Deutschland Weltmeister wurde. Auch Ruud Gullit sieht die DFB-Elf vorn: „ Deutschland ist natürlich der Favorit, aber zusammen mit den Spaniern.“ UEFA-Präsident Michel Platini schlägt vor dem Testspiel in Bremen am Mittwoch, 29.2. , denselben Ton an: „Derzeit das beste Team Europas, sehr jung und sehr kreativ.“
Kadercheck:
Aber was macht die deutsche Auswahl in der jüngsten Vergangenheit so stark? Auch hier stelle ich Jogi Löw in den Vordergrund. Er und sein Trainerteam haben endlich Mut gezeigt: Ja zum Jugendtrend! Die „älteren“ Spieler weichen und eine neue Generation bekommt die Chance zur freien Entfaltung – und das mit Erfolg.
Torhüter:
Auf der Torhüterposition hatte Deutschland noch nie ein Problem. Mein Vater schwärmt immer noch von den starken Keeper seiner Zeit, wie Sepp Maier oder Harald Schumacher. Diese Tradition wurde und wird grandios weitergeführt. Über Oliver Kahn und Jens Lehmann bis hin zu Manuel Neuer, unsere Nationaltorhüter würden von fast jeder anderen Nation mit Kusshand aufgenommen. Manuel Neuer ist die glasklare Nummer eins. Auf den Folgepositionen muss ich Löw leider wiedersprechen. Tim Wiese ist ein guter Torwart, stark auf der Linie aber absolut kein Nationalkeeper. Zu schwankend sind seine Leistungen bei hohen Bällen und dem Mitspielen. Ähnlich schätze ich Ron Zieler ein. Durchaus ein guter Bundesliga-Torwart, aber ein Nationaltorwart? Eher nicht.
Ich möchte an dieser Stelle eine Lanze für die Durchstarter dieser Saison auf der Torwart-Position brechen. Marc-André ter Stegen beweist in seiner zweiten Saison im Tor der Borussia seinen Wert und hat hohen Anteil am momentanen Höhenflug der Gladbacher.
Ein wenig älter aber mit der größten Entwicklung hat sich auf Sven Ulreich vom VfB in den Fokus gespielt. Anfangs schienen die Fußstapfen von Jens Lehmann zu groß, doch nach seiner Degradierung auf die Bank im Europa-League-Spiel gegen Benfica Lissabon blühte der Stuttgarter regelrecht auf. Besonders stark ist der Schondorfer im Eins-gegen-Eins, bei hohen Bällen weist er immer noch Schwächen auf (Treffer zum 2:1 gegen Freiburg).
Und auch Bernd Leno hat sich vom Talent zum Stammtorhüter bei Leverkusen gespielt und den ehemaligen Nationalkeeper Rene Adler aus dem Kasten verdrängt.
Mein Ranking: 1. Neuer 2. ter Stegen 3. Ulreich
Verteidigung:
In der Defensive braucht sich unsere Aufstellung im internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Vor allem die hohe Variationsdichte im Abwehrverbund macht die deutsche Elf sehr flexibel. Kapitän Philipp Lahm ist auf beiden Aussenbahnen einer der besten Verteidiger der Welt. Sowohl auf links als auch auf rechts ruft der Bayern-Akteur stets gute Leistungen ab. Generell soll der Münchener aber auf seiner angestammten linken Seite auflaufen. Auf der anderen Aussenposition kämpfen Dennis Aogo, Benedikt Höwedes und Jerome Boateng um den Platz in der Viererkette. Im Zentrum setzt Löw auf Mats Hummels, Per Mertesacker und Holger Badstuber.
Insgesamt gehen ich auch mit der Defensivvorstellung der Bundestrainer konform. Der Kampf um die Plätze im Abwehrzentrum, als auch auf der rechten Abwehrseite sind noch nicht entschieden. Lahm wäre auch bei mir auf der linken Seite gesetzt, dahinter steht mit Dennis Aogo ein starker Backup bereit. Marcel Schmelzer sehe ich nicht auf dem Niveau für die Nationalmannschaft. In der Innenverteidigung hoffe ich auf die Konstellation Hummels und Boateng. Mertesacker ist einfach zu unbeweglich und Holger Badstuber ist zwar ein solider IV aber schwimmt ähnlich, wie Schmelzer, auf den Erfolgswellen ihrer Vereine mit. Als Backup möchte ich Serdar Tasci noch einmal ins Gespräch bringen, der mit konstanter Leistungen an die Leistungen der Meistersaison 2007 anschliesst. Rechts ist Benedikt Höwedes die richtige Wahl. Dahinter steht mit Christian Träsch ein unermüdlicher Arbeiter für die Aussenbahn bereit.
Mein Ranking: LV: Lahm ( Aogo), IV: Hummels , Boateng (Badstuber, Tasci, Mertesacker), RV: Höwedes (Träsch)
Mittelfeld:
Auch im Mittelfeld führt kein Weg an der DFB-Elf vorbei. Selten war ein Mannschaftsteil mit hochkarätigen Fußballern so überbesetzt. Zwei Spieler sollten dabei gesetzt sein : Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil. Die beiden sind die tragenden Säulen im Mittelfeld der deutschen Auswahl. Özil hat sich bei Real Madrid zu einem Spieler von Weltklasseformat entwickelt, Schweinsteiger ist bei den Bayern und in der Nationalelf der Boss auf dem Feld. Wie wichtig sein Auftreten ist, sieht man an den momentanen Leistungen der Bayern ohne ihren Chef in der Zentrale. Löw möchte gerne weg vom System mit zwei fixen Sechsern, also werden sich Sami Khedira und Toni Kroos um den Platz als Abräumer streiten müssen.. Auf den Aussenbahnen hat der Bundestrainer die Qual der Wahl. Bisher waren Thomas Müller auf der rechten und Lukas Podolski auf der linken Seite das Maß der Dinge. Aber nun strömen junge, hungrige Spieler aus den Jugend-Nationalmannschaften in die Bundesliga und wollen den Sprung in den A-Kader des DFB schaffen. Beste Chancen haben wohl Marco Reus, Mario Götze , die Bender-Zwillinge und André Schürrle.
Löws Weg zu einem offensiven System, bei dem der Gegner auf die deutsche Elf reagieren muss, stimme ich komplett zu. Auch der Schritt mit nur einem Sechser zu spielen und dem Gegner das eigene Spiel aufzuzwingen erscheint sinnvoll. Auch in meinen Augen sind Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil gesetzt. Als reiner Abräumer kann Sami Khedira seine Qualitäten am besten zur Geltung bringen. Hinter Khedira haben Toni Kroos und Lars Bender, der momentan stärker als sein Bruder Sven spielt, die besten Chancen als erster Nachrücker. Auf der linken Bahn verliert Lukas Podolski seinen Stammplatz an Mario Götze. Der Junge muss einfach spielen. Aus jeder seiner Aktionen kann etwas Brandgefährliches entstehen. Auf der anderen Seite hat Thomas Müller die Nase gegen Marco Reus vorn. Trotz seines jungen Alters hat der Münchner einfach schon einen gewissen Erfahrungsschatz und weiß als Torschützenkönig der vergangen Saison, wie man bei großen Turnieren trifft.
Mein Ranking: DM: Khedira ( Kroos, L. Bender), ZM: Schweinsteiger, OM: Özil (Reus) , LM: Götze (Podolski, Schürrle), RM: Müller (Reus)
Angriff:
Im Angriff kämpfen nur drei Akteure um den letzten verbliebenden Platz. Klar im Vorteil sind Mario Gomez und Miroslav Klose. Gomez führt die Torschützenliste der Bundesliga an, Klose erlebt gerade in Rom seinen zweiten Frühling. Im Test gegen Frankreich entscheidet sich Löw für Klose, Gomez muss mit dem Platz auf der Bank vorlieb nehmen. Der kriselnde Cacau ist zwar für das Länderspiel berufen worden, dürfte aber aufgrund seiner zuletzt schwachen Leistungen wenig Chancen auf Einsätze im Nationalteam haben. Dahinter steht Mike Hanke in Lauerstellung.
Die Wahl im Sturm ist eine denkbar knappe Entscheidung. Auch ich würde zunächst auf Miroslav Klose setzen. Zwar treffen beide Stürmer momentan wie sie wollen, aber Klose hat die Fähigkeit sich in ungünstig laufende Spiele reinzukämpfen. Beide Stürmer werden ihre Einsatzzeiten bekommen. Cacau würde eine Umstellung auf ein System mit zwei Stürmern entgegenkommen. Mein Ranking: 1. Miroslav Klose, 2. Mario Gomez, 3. Cacau
Stand: 28.2.2012
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