Nun soll es ein ganz
erfahrener Trainer bei der Hertha aus Berlin richten. Otto Rehhagel
wurde letzte Woche als neuer Coach bei Hertha BSC vorgestellt. Der
mittlerweile 73-jährige Essener kann nun seinen eigenen Rekord
aufbessern – mit 820 Spielen auf der Trainerbank in der Bundesliga steht
Rehhagel mit großen Abstand auf Rang eins. „Ab Montag bin ich bei
Hertha das Gesetz und alle hören auf mein Kommando. Ich bin ein
Vorreiter und erwarte Ordnung und Disziplin. Ich bin ein Preuße. Oder
auch ein demokratischer Diktator“, so läutete „Rehhakles“ seine erste
Pressekonferenz bei der Berliner Hertha ein.
Erste Station Hertha
Als
aktiver Fußballer war er als beinharter Verteidiger gefürchtet. 1963
schaffte Otto den Sprung von Rot-Weiß Essen zu den Profis von Hertha BSC
Berlin in die neu gegründete Bundesliga. Bis 1972 war Rehhagel bei der
Hertha und dem 1.FC Kaiserslautern in 201 Spielen auf dem Feld und
erzielte dabei 23 Tore. Nun schliesst sich der Kreis wieder bei der
Hertha.
Vom Feuerwehrmann zum König
Die Hertha ist nun
Rehhagels elfter Trainerjob seit dem Jahr 1974, als er vom Feld auf die
Bank wechselte. In seinen ersten Jahren als Trainer machte sich der
Verteidiger einen Namen als Feuerwehrmann. 1976 verhinderte er mit
Werder Bremen den Abstieg, zwei Jahre später musste er mit Arminia
Bielefeld den Gang in die zweite Liga antreten. 1979 bewahrte er Fortuna
Düsseldorf vor Abstieg.
Seine beste Zeit erlebte der gebürtige
Essener bei dem SV Werder Bremen. Fünf Jahre nach dem verhinderten
Abstieg kehrte Rehhagel an die Weser zurück. Ein wahrer Glücksgriff für
die Grün-Weißen. Rehhagel bewies ein feines Gespür für Neuzugänge und
holte die bisher unbekannte Spieler Rudi Völler, Wolfgang Sidka und
Frank Neubarth in die Bundesliga. Vor allem Rudi Völler schlug sofort
ein und wurde mit 23 Treffern Bundesligatorschützenkönig. Nur aufgrund
des schlechteren Torverhältnisses musste Werder dem HSV in der Saison
1982/1983 die Meisterschaft überlassen. In den kommenden Jahren
steigerte sich Bremen zu einer Spitzenmannschaft in der Bundesliga –
1985 und 1986 sicherten sich die Grün-Weißen den zweiten Rang. 1988
gelang „König Otto“ sein Meisterstück, Werder Bremen feierte am Ende der
Saison die zweite Meisterschaft seit 1965. In seiner 14-jährigen
Amtszeit wurde Rehhagel zweimal deutscher Meister (1988, und 1993),
gewann den DFB (1991 und 1994) und hielt 1992 den Europapokal der
Pokalsieger in den Händen.
Der Husarenstreich und Sirtaki
Nach
einem kurzen Intermezzo bei den Bayern wechselte Rehhagel in die zweite
Liga zum FC Kaiserslautern. Auch dort bewies der Essener
Fingerspitzengefühl und führte die Pfälzer zurück in die erste Liga. Ein
Jahr später wurde der FCK als Aufsteiger direkt deutscher Meister. Rudi
Völler, Rehhagels einstiger Schüler: „Ein Husarenstreich, der in
hundert, ach was, in tausend Jahren niemanden wieder gelingen wird.“
Doch nicht nur seine Erfolge bescherten Rehhagel einen Platz in der
Ruhmeshalle der Bundesliga. Unvergessen sein Wechselfehler am 26.
September 1998 in der Partie gegen den VfL Bochum: Mit Pascal Ojigwe
wechselte Rehhagel den vierten Nicht-Europäer ein und verstieß damit
gegen die DFB-Regeln. Trotz des Regelverstoß verloren die Pfälzer am
Ende mit 2:3, Bochum verzichtete auf einen Einspruch.
Ins
internationale Rampenlicht spielte sich Rehhagel mit seinem Engagement
bei der griechischen Nationalelf im Jahr 2001. Völlig unerwartet
übernahm nun „Rehhakles“ die bisher kaum erfolgreiche Mannschaft aus
Griechenland. Obwohl ihm in seiner Amtzeit steht altbackene Methoden
vorgeworfen worden, blieb Rehhagel seine Art treu: „Modern spielt, wer
gewinnt.“ Und er sollte nur drei Jahre später Recht behalten. Mit einer
disziplinierten Mischung aus Kampfgeist, einer defensiven taktischen
Ausrichtung und langen Bällen in die Spitze wurde der Aussenseiter 2004
Europameister. Mit seinem Steinzeitfußball mit Libero und zwei
Abwehrketten spielten die Griechen selten schön, aber überaus
erfolgreich. Die spielerisch starke Konkurrenz aus Frankreich,
Tschechien und im Endspiel Spanien fanden keine Mittel gegen die soliden
Griechen und mussten am Ende mit ansehen, wie der Fußballzwerg
Europameister wurde. Insgesamt erreichte „Rehhakles“ mit Griechenland
zweimal die Endrunde einer Europameisterschaften und einmal die
Weltmeisterschaft.
Ein Kreis schliesst sich
Nun kehrt Rehhagel
mit 73 Jahren zurück in den Bundesligazirkus. Er selbst sieht sich gut
gewappnet für die nächste Station: „ So lange ich lebe, will ich
Spannung. Ich bin gesund, fit und habe Lust. Der Sinn des Lebens besteht
in der Arbeit, wie Immanuel Kant schon sagte.“ „König Otto“ bleiben
nun 12 Spieltage Zeit, um die Berliner Hertha wieder ins richtige
Fahrwasser zu bringen: „Noch ist das Hertha-Schiff nicht untergegangen,
es hat aber ein großes Leck.“ Ob er dabei auf seine altbewährte
Defensivtaktik im 4-4-2 zurückgreifen will, ist nicht sicher. Sicher ist
jedoch, dass die Hertha nach fünf Niederlagen in Folge nur noch zwei
Punkte vom Tabellenletzten Augsburg entfernt platziert ist. Am Samstag
gilt es nun ein sechs-Punkte-Spiel zu gewinnen. Um 15:30 reist die
angeschlagene Hertha nach Augsburg, um den Abstand auf den
Tabellenletzten zu vergrößern. 49 Jahre nach seinem ersten Auftritt bei
der Hertha – damals noch als Spieler – soll der mittlerweile 73-jährige
Otto Rehhagel zurück zur Basis gehen. Er wird wieder als Feuerwehrmann
gebraucht...
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