Was sich lange abzeichnete
wird nun Realität. Die höchstklassig spielende Fußballmannschaft
Ostfrieslands, die BSV Kickers Emden, wollen/müssen in die Insolvenz. Damit ist
der Abstieg aus der Oberliga Niedersachsen bereits vor der ersten
Partie im Jahr 2012 bestätigt. Alle weiteren Ergebnisse der Blau-Weißen
werden annulliert, am Ende der Saison werden die Kickers auf dem letzten
Tabellenrang mit null Punkten absteigen.
Fast der Sprung in die 2. Bundesliga
Damit
geht der Blick für die Kickers abwärts. Seit März 1946 gibt es den
Traditionsverein aus Emden - nun stellt sich die Frage, ob eine Ära
zu Ende geht. Der langsame Verfall begann nach der Saison 2008/2009.
Damals hatte sich Emden für die dritte Liga qualifiziert und die Saison
mit einem guten sechsten Rang abgeschlossen. Aus wirtschaftlichen
Gründen kehrten die Kickers dem Profifußball den Rücken. Drei von vier
Großsponsoren zogen sich mit ihren Geldern zurück - mit den finanziellen
Kosten einer Mannschaft im Drittliga-Fußball und dem Neubau eines
eigenen Stadions hatte man sich schlichtweg einfach übernommen.
Altlasten überdecken Neuanfang
In
der kommenden Saison mussten die Blau-Weißen daher in der
Niedersachsenliga starten. Zwar hatten sich die Emdener sportlich
gefangen, doch finanziellen Altlasten blieben schwere Backsteine im
Rucksack auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft. Vor allem die
rückläufige Entwicklung der Zuschauerzahlen machte sich schnell in den
Kassen bemerkbar. In den letzten beiden Jahren schloss der BSV Kickers
Emden den Ligabetrieb mit den Plätzen vier und fünf ab.
Insolvent!
Der
große Knall folgte Ende vergangenen Jahres. Am 25. November reichte der
Verein einen Insolvenzantrag ein. Die Schulden belaufen sich auf knapp
drei Millionen Euro. Die höchsten Schuldenberge liegen bei Ex-Präsident
Engelbert Schmidt (1,1 Millionen Euro), der Stadt Emden (600.000 Euro)
und der Stadiongesellschaft (400.000). Die Spieler beklagten sich
bereits über ausstehende Zahlung der Gehälter. Schon vor dem Start der
Saison 2011/2012 hatte der Niedersächsische Fußball-Verband (NFV) erste
Zweifel, ob der BSV die Saison überhaupt zu Ende führen kann. Im
Widerspruchsverfahren bekamen die Kickers dennoch ihre Lizenz für die
Niedersachsenliga.
Warten auf das Saisonende
Für die
Verantwortlichen des Vereins besteht nun nur noch ein Ziel: Den
Spielbetrieb bis Saisonende durchziehen. Auch Trainer Uwe Groothuis
weiß, dass dies kein einfaches Unterfangen ist. Zur Winterpause durften
sich alle Spieler einen neuen Verein suchen, der momentane Kader ist auf
16 Spieler zusammengeschrumpft. Dennoch will Groothuis nicht aufgeben:
,, Das ist keine einfache Situation. Wir werden versuchen, die Spieler
zu überzeugen, weiter bei uns zu spielen. Ich werde die Saison definitiv
zu Ende bringen.“
Wenigstens ist der Spielbetrieb für die
Jugendteams gesichert, die A- und B-Junioren werden weiterhin, auch im
Falle der Insolvenz, in der Niedersachsenliga antreten. Einen ähnlichen
Ton schlägt der neue Präsident der Kickers an. Günther Kunz, der schon
einmal Klubchef war, sieht Licht am Ende des Tunnels: ,, Irgendjemand
musste es machen. Wenn wir keine Chance gesehen hätten, dass es wieder
aufwärts geht, hätten wir es nicht gemacht.“
Zusätzliche Mittel
sollen aktiviert werden, erste Gespräche mit der Stadt Emden wurden
bereits gesucht. „Wir sind zuversichtlich, Leute zu finden, die den
Kickers helfen wollen“, so Kunz.
Bedeutungslose Freundschaftsspiele
Am
17. Februar findet der nächste wichtige Schritt für die Blau-Weißen
statt. Das Präsidium des NFV entscheidet an diesem Freitag über die
ausstehenden Partien der Kickers in der Oberliga. Die beiden insolventen
und bereits abgestiegenen Mannschaften aus Emden und Nordhorn müssen
eigentlich ihre restlichen Partien austragen, um in der nächsten Saison
spielberechtigt für die Landesliga zu sein. Doch die anderen
Oberligisten sehen keinen Sinn darin. Es kommt zu
„Pflichtspiel-Freundschaftsspielen“ ohne Wertung. Daher seien die
Fahrtkosten für eine bedeutungslose Partie zu hoch.
Entscheidend ist
nun der 5. April. Dann wird das Landgericht Aurich über den
Insolvenzantrag der Kickers entscheiden. Bis dahin haben alle Gläubiger
Zeit ihre schriftlichen Forderungen an den Fußballverein einzureichen. Für
die Blau-Weißen zählt nur eins: der Fortbestand des Vereins und ein
erfolgreiche Insolvenz. Scheitert diese, werden die Fußballer den BSV
Kickers Emden auflösen und einen neuen Verein gründen müssen.
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