16. Februar 2012

Von der dritten Liga in die Insolvenz

Was sich lange abzeichnete wird nun Realität. Die höchstklassig spielende Fußballmannschaft Ostfrieslands, die BSV Kickers Emden, wollen/müssen in die Insolvenz. Damit ist der Abstieg aus der Oberliga Niedersachsen bereits vor der ersten Partie im Jahr 2012 bestätigt. Alle weiteren Ergebnisse der Blau-Weißen werden annulliert, am Ende der Saison werden die Kickers auf dem letzten Tabellenrang mit null Punkten absteigen.


Fast der Sprung in die 2. Bundesliga

Damit geht der Blick für die Kickers abwärts. Seit März 1946 gibt es den Traditionsverein aus Emden - nun stellt sich die Frage, ob eine Ära zu Ende geht. Der langsame Verfall begann nach der Saison 2008/2009. Damals hatte sich Emden für die dritte Liga qualifiziert und die Saison mit einem guten sechsten Rang abgeschlossen. Aus wirtschaftlichen Gründen kehrten  die Kickers dem Profifußball den Rücken. Drei von vier Großsponsoren zogen sich mit ihren Geldern zurück - mit den finanziellen Kosten einer Mannschaft im Drittliga-Fußball und dem Neubau eines eigenen Stadions hatte man sich schlichtweg einfach übernommen.


Altlasten überdecken Neuanfang

In der kommenden Saison mussten die Blau-Weißen daher in der Niedersachsenliga starten. Zwar hatten sich die Emdener sportlich gefangen, doch finanziellen Altlasten blieben schwere Backsteine im Rucksack auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft. Vor allem die rückläufige Entwicklung der Zuschauerzahlen machte sich schnell in den Kassen bemerkbar. In den letzten beiden Jahren schloss der BSV Kickers Emden den Ligabetrieb mit den Plätzen vier und fünf ab.


Insolvent!

Der große Knall folgte Ende vergangenen Jahres. Am 25. November reichte der Verein einen Insolvenzantrag ein. Die Schulden belaufen sich auf knapp drei Millionen Euro. Die höchsten Schuldenberge  liegen bei Ex-Präsident Engelbert Schmidt (1,1 Millionen Euro), der Stadt Emden (600.000 Euro) und der Stadiongesellschaft (400.000). Die Spieler beklagten sich bereits über ausstehende Zahlung der Gehälter. Schon vor dem Start der Saison 2011/2012 hatte der Niedersächsische Fußball-Verband (NFV) erste Zweifel, ob der BSV die Saison überhaupt zu Ende führen kann. Im Widerspruchsverfahren bekamen die Kickers dennoch ihre Lizenz für die Niedersachsenliga.


Warten auf das Saisonende

Für die Verantwortlichen des Vereins besteht nun nur noch ein Ziel: Den Spielbetrieb bis Saisonende durchziehen.  Auch Trainer Uwe Groothuis weiß, dass dies kein einfaches Unterfangen ist. Zur Winterpause durften sich alle Spieler einen neuen Verein suchen, der momentane Kader ist auf 16 Spieler zusammengeschrumpft. Dennoch will Groothuis nicht aufgeben: ,, Das ist keine einfache Situation. Wir werden versuchen, die Spieler zu überzeugen, weiter bei uns zu spielen. Ich werde die Saison definitiv zu Ende bringen.“
Wenigstens ist der Spielbetrieb für die Jugendteams gesichert, die A- und B-Junioren werden weiterhin, auch im Falle der Insolvenz, in der Niedersachsenliga antreten. Einen ähnlichen Ton schlägt der neue Präsident der Kickers an.  Günther Kunz, der schon einmal Klubchef war, sieht Licht am Ende des Tunnels: ,, Irgendjemand musste es machen. Wenn wir keine Chance gesehen hätten, dass es wieder aufwärts geht, hätten wir es nicht gemacht.“
Zusätzliche Mittel sollen aktiviert werden, erste Gespräche mit der Stadt Emden wurden bereits gesucht. „Wir sind zuversichtlich, Leute zu finden, die den Kickers helfen wollen“, so Kunz.


Bedeutungslose Freundschaftsspiele

Am 17. Februar  findet der nächste wichtige Schritt für die Blau-Weißen statt. Das Präsidium des NFV entscheidet an diesem Freitag über die ausstehenden Partien der Kickers in der Oberliga. Die beiden insolventen und bereits abgestiegenen Mannschaften aus Emden und Nordhorn müssen eigentlich ihre restlichen Partien austragen, um in der nächsten Saison spielberechtigt für die Landesliga zu sein. Doch die anderen Oberligisten sehen keinen Sinn darin. Es kommt zu „Pflichtspiel-Freundschaftsspielen“ ohne Wertung. Daher seien die Fahrtkosten für eine bedeutungslose Partie zu hoch.
Entscheidend ist nun der  5. April. Dann wird das Landgericht Aurich über den Insolvenzantrag der Kickers entscheiden. Bis dahin haben alle Gläubiger Zeit ihre schriftlichen Forderungen an den Fußballverein einzureichen. Für die Blau-Weißen zählt nur eins: der Fortbestand des Vereins und ein erfolgreiche Insolvenz. Scheitert diese, werden die Fußballer den BSV Kickers Emden auflösen und einen neuen Verein gründen müssen.

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